SPD Emmendingen

Alexander Schoch gegen Atomkraft

Veröffentlicht am 20.03.2011 in Ortsverein

Foto: Klaus Fehrenbach

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, mit großer Bestürzung und Trauer verfolgen sicher wir alle die schrecklichen Nachrichten aus Japan. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden, den Verletzten und allen anderen Geschädigten. „Schweigeminute“

Die dramatischen Ereignisse führen uns allen aber auch wieder einmal schmerzhaft vor Augen: Atomkraft ist nicht beherrschbar und nicht verantwortbar. Aus dem vermeintlich verschwindend geringen sogenannten "Restrisiko" ist schon viel zu oft der reale Ernstfall geworden mit tödlichen Folgen für Menschen und Natur. Die Bundesregierung will nun vor dem Eindruck der Katastrophe die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke neu überprüfen lassen. Oder den Ausstieg aus dem Ausstieg der Laufzeitverlängerung für 3 Monate zu propagieren. Das reicht nicht – Das ist Wahltaktik! Es müssen nun schnell tatsächliche Konsequenzen gezogen werden und kurzfristig Reaktoren stillgelegt werden, sofort mindestens die unsichersten und schnellst möglich alle und dies noch schneller als der bisherige Atomkonsens dies vorsah. Jetzt haben wir die Chance, dies auch durchzusetzen! Um unser Mitgefühl für die Menschen in Japan zu zeigen und auch um der berechtigten Forderung nach dem schnellen Ausstieg Nachdruck zu verleihen wollen wir diese Demonstration gegen Laufzeitverlängerung zu einer Mahnung an alle politisch Verantwortlichen werden lassen. 25 Jahre nach Tschernobyl und am Tag des Super-GAU in Fukushima muss es „Jetzt“ heißen wir müssen weltweit die Abschaltung aller Atomkraftwerke fordern. Die Risiken sind auch bei den angeblich sicheren Atomkraftwerken der westlichen Welt nicht beherrschbar. Unser Umweltminister Norbert Röttgen sagte gestern, es bestünde keine Gefahr für die deutsche Bevölkerung, denn Deutschland sei von Japan weit entfernt. "Dasselbe sagte vor 25 Jahren auch die damalige Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Atomkraftwerke Philippsburg, Brunsbüttel und Krümmel sind Baugleich mit Fukushima. Es ist jetzt an der Zeit, dass sich die Politik auch in Deutschland gegen die mächtige Atomlobby durchsetzt. Es ist unverantwortlich, dass wir Bürger gefährdet sind, nur weil einige wenige Konzerne Profit machen wollen. Die Nachrichten zum Zustand des AKW Fukushima müssen zur großen Sorge veranlassen. Offenbar droht den Japanerinnen und Japanern nach der furchtbaren Naturkatastrophe jetzt auch noch ein atomarer GAU. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Japan, wir denken auch an die Rettungskräfte in unmittelbarer Nähe zum Reaktor, die unter Einsatz ihrer Gesundheit und womöglich ihres Lebens gegen die Katastrophe ankämpfen. Hier findet offensichtlich gerade eine Katastrophe von unfassbaren Ausmaß an. Die Kernschmelze ist anscheinend im Gange. Die Informationspolitik der japanischen Behörden ist nebulös. Die Jahrhundert-Naturkatastrophe in Japan hat alle Regeln außer Kraft gesetzt. Aber der drohende GAU im AKW Fukushima zeigt, dass Atomkraft selbst in einem für alle Eventualitäten gewappneten High-Tech-Land wie Japan eine von Menschen nicht beherrschbare hochgefährliche Risikotechnologie ist. Vorschnell und unüberlegt sind die Beteuerungen von Umweltminister Röttgen, den Menschen in Deutschland drohe selbst bei einem GAU in Japan keinerlei Gefahr und seine unhaltbare Behauptung, die Atomkraftwerke in Deutschland seien sicher. Die Atom-Laufzeitverlängerung muss nun zu Fall gebracht werden und das Atomkraftwerk Neckarwestheim I und Philippsburg müssen sofort abgeschaltet werden und nicht nur um sich über die Wahlen zu retten. Anstatt die Bürgerinnen und Bürger noch länger den Risiken der Atomkraft auszusetzen und immer neuen brandgefährlichen Atommüll anzuhäufen, müssen wir eine echte Energiewende im Land einleiten. Die Meldungen aus Japan machen deutlich dass der von CDU und FDP durchgepeitschten Ausstieg aus dem Atomausstieg sofort gestoppt werden muss und nicht nur für 3 Monate. Die Atomaufsicht muss „vom Kopf auf die Füße“ gestellt werden. Unter der derzeitigen Umweltministerin Gönner hat die Atomaufsicht vor allem den Zweck, der EnBW immer neue Atom-Gewinne in die Taschen zu spülen. Es muss endlich wieder die Sicherheit ins Zentrum der Atomaufsicht gestellt werden – das gilt gerade für das Steinzeitkraftwerk Neckarwestheim I, das erhebliche Sicherheitsmängel aufweist und bereits über 400 Störfälle auf dem Buckel hat sowie für Philippsburg das vom gleichen Bautyp wie Fukushima ist. Direkt vor unserer Haustür liegt der älteste französische Atommeiler Fessenheim mit nicht ausreichender Erdbebenauslegung im tektonisch aktiven Oberrhein, wo es immer wieder zu seismischen Aktivitäten kommt. Hinzu komme, dass ein Bruch des Grand Canal d´Alsace infolge eines Erdbebens mit einer Überflutung des Atomkraftwerks mit in das Szenario einbezogen werden müsse. Jetzt ist auch die EU mit dem Energiekommissar Oettinger aufgefordert einen Plan für den Atomausstieg für ganz Europa zu entwickeln. Der Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Fessenheim ist eine Bedrohung für die ganze Region. Die Abschaltung von Fessenheim hat darum oberste Priorität. Ein Pro Atom Kurs ist ein atomares Risiko für Deutschland und Baden-Württemberg. Wir brauchen eine konsequente Neuausrichtung der Energiepolitik im Land an. Die Strategie muss heißen: mehr erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz und mehr Energieeinsparung. Wir müssen Baden-Württemberg zum Vorreiter einer modernen und klimafreundlichen Energieversorgung machen. Dazu wird es notwendig sein die Blockade der CDU und FDP bei der Windkraft zu beenden und regenerative Energien aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme und Biomasse massiv ausbauen. Dezentrale und effizientere Formen der Energieerzeugung wie die umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung müssen vorangebracht werden. In diesem Sinne kämpfen wir für einen Politikwechsel in Baden-Württemberg - keine Laufzeitverlängerung für die Schwarz - Gelbe Landesregierung. Es darf keine weitere Atomkatastrophe wie die in Japan mehr geben darum müssen die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Bereiten wir dieser Risikotechnologie ein Ende! Wenn nicht „Jetzt“ - wann dann!

Artikel: A. Schoch

 

SPD newsletter

Hier bestellen

Unterstützen Sie unsere Arbeit

Wollen Sie unsere Arbeit unterstützen, treten Sie ein, spenden Sie oder sagen Sie uns Ihre Meinung.

Immer aktuell

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

18.06.2026 11:18 Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze
Zum Internationalen Tag gegen Hetze: Hassrede bekämpfen, Zusammenhalt stärken Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Seit fünf Jahren rufen die Vereinten Nationen jeweils am 18. Juni den Internationalen Tag der Bekämpfung von Hetze aus. Sie machen so auf die wachsende Verbreitung von Hassrede aufmerksam und weisen auf Maßnahmen hin, Hassrede zu bekämpfen und den gegenseitigen Respekt zu… Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze weiterlesen

17.06.2026 12:19 Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger
Politisch-ideologischer Nachhilfeunterricht ist nicht nötig Das vom EU-Parlament beschlossene Verbot für Fleischbezeichnungen wie ‚Veggie-Speck‘ oder ‚Veggie-Hühnchen‘ ist falsch und wird Verbraucherinnen und Verbraucher verwirren. Dass Begriffe wie ‚Veggie-Burger‘ oder ‚Veggie-Wurst‘ auch künftig zulässig bleiben, ist richtig. Die Entscheidung beendet hoffentlich eine Scheindebatte, die viel politische Energie verschwendet hat. „Das EU-Parlament hat bestätigt, dass Begriffe wie… Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de

Wetter-Online

Counter

Besucher:470492
Heute:161
Online:2