SPD Emmendingen

Mitgliederbegehren zum Bürgergeld: Zur Bedeutung von Solidarität und Eigenverantwortung

Veröffentlicht am 30.10.2025 in Allgemein

Innerhalb der SPD läuft aktuell ein Mitgliederbegehren gegen das geplante Sanktionspaket beim Bürgergeld. Es fordert die vollständige Zurücknahme der Sanktionen. Das innerhalb der Koalition beschlossene Paket sieht Sanktionen bei Nichterfüllung der Mitwirkungspflichten vor. Ziel ist es, die Mittel des Sozialstaats gezielt einzusetzen und Eigeninitiative zu fördern. Das Mitgliederbegehren hat innerhalb der Partei eine heiße Debatte über die Ausgestaltung dieser Regelungen ausgelöst. Unser Vorsitzender Frieder Haid bezieht Stellung.

Lesen Sie den vollständigen Kommentar unseres Ortsvereinsvorsitzenden

Aktuell läuft ein Mitgliederbegehren innerhalb der SPD, das sich gegen das geplante Sanktionspaket beim Bürgergeld richtet. Es fordert die vollständige Abschaffung von Leistungskürzungen bei Pflichtverletzungen.

Ich selbst unterstütze dieses Begehren nicht. Nach meiner Auffassung folgt das Sanktionspaket dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit öffentlicher Mittel: Bürgergeld wird nicht bedingungslos gezahlt, sondern unter der Verpflichtung, aktiv zur Beendigung der eigenen Hilfebedürftigkeit beizutragen. Sanktionen bei Nichterfüllung der Mitwirkungspflichten (§ 31 SGB II) stellen sicher, dass die vorhandenen Mittel zielgerichtet eingesetzt, Eigeninitiative gefördert und langfristig Transfer- und Folgekosten gesenkt werden. In der Praxis lassen sich Sanktionen vermeiden, indem die vereinbarten Termine und Mitwirkungspflichten eingehalten werden.

Das Sozialbudget in Deutschland ist im Jahr 2023 auf über 1,2 Billionen Euro gestiegen. Aufgrund des demografischen Wandels und erweiterter Sozialleistungen wird sich dieser Trend fortsetzen. Schätzungen zufolge könnten die Sozialausgaben 2024 und 2025 auf über 1,3 Billionen Euro ansteigen. Vor diesem Hintergrund kann aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive keine Rede von einem sozialen Kahlschlag sein. Notwendig ist vielmehr ein verantwortungsvoller Mitteleinsatz, um die langfristige Finanzierbarkeit des Sozialstaats zu sichern.

Zugleich muss man festhalten, dass Sanktionen volkswirtschaftlich keine großen Effekte haben. Ihre Bedeutung liegt vor allem im Symbolischen: Sie betonen das Prinzip von Solidarität und Eigenverantwortung, das unseren Sozialstaat zugleich unterstützend und verpflichtend macht.

Darüber hinaus erscheint es politisch problematisch, einen frischen Koalitionsbeschluss unmittelbar in Frage zu stellen – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die letzte Koalition erst im vergangenen Jahr gescheitert ist. Demokratie lebt von Kompromissfähigkeit und Vertrauen in politische Prozesse. Entscheidungen, die aufwendig ausgehandelt wurden, verdienen zunächst eine loyale Umsetzung und anschließende Evaluation.

Gerade deshalb ist es wichtig, diese Fragen innerparteilich offen, sachlich und respektvoll zu diskutieren. Der Austausch über die Ausgestaltung sozialdemokratischer Politik – zwischen Solidarität, Eigenverantwortung und finanzieller Nachhaltigkeit – ist zentral für die Weiterentwicklung unserer Partei und ihrer Programmatik. Unser Ortsverein wird diesen Dialog in den kommenden Wochen aktiv fortsetzen.

Ein Kommentar des Vorsitzenden des Ortsvereins

Frieder Haid

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