SPD Emmendingen

Fessenheim – was kommt zuerst: Abschaltung oder GAU?

Veröffentlicht am 24.07.2018 in Ortsverein

Besorgte Mienen beim Themenstammtisch zum Thema Fessenheim. Foto: E. Hauke

Die causa „Fessenheim-Stilllegung“ geht in die nächste Runde. Nachdem verkündet wurde, das AKW werde Ende 2018, spätestens jedoch Anfang 2019 stillgelegt, ist der BZ vom 26.7.2018 zu entnehmen, dass sich die Stilllegung um ein weiteres Jahr verzögern könnte. Denn Fessenheim wird erst abgeschaltet werden, wenn der neue Reaktor im französischen Flamanville in Betrieb geht. Oder geht Flamanville erst ans Netz, wenn Fessenheim abgeschaltet ist? Eine unglückselige und verwirrende Koppelung, für den Betreiber aber eine lukrative Ei-Henne Diskussion.

Mit jedem Tag, an welchem das marode AKW in Fessenheim am Netz ist, fährt die Electricité de France satte Gewinne ein. Jeder Tag Verzögerung bei der Inbetriebnahme von Flamanville steigert die Gewinne der EdF. Kann dem Betreiber bei dieser Interessenlage ernsthaftes Bemühen, Fessenheim still zu legen, unterstellt werden?

Der SPD-Ortsvereins Emmendingen engagiert sich seit Jahren für die Stilllegung des Reaktors in Fessenheim.  Beim jüngsten Themenstammtisch des SPD-Ortsvereins wurden die Zusammenhänge und Hintergründe kritisch beleuchtet. Sachkundig unterstützt von Gustav Rosa, Diplom Ingenieur und Organisator der inzwischen über 380 Breisacher Montagsmahnwachen gegen Fessenheim, und Dr. Dieter Wörner, vor seinem Ruhestand Umweltschutzamtsleiter der Stadt Freiburg, wurden Zusammenhänge und Hintergründe beleuchtet. „Die EdF ist ein Staat im Staat mit sehr engen Beziehungen zur Regierung, eine Wahl des Stromanbieters haben die Verbraucher in Frankreich nicht, es gibt nur die EdF“, so Dieter Wörner zur Machtposition des staatlichen Stromanbieters. Gustav Rose wies darauf hin, dass die guten Leute inzwischen andere Jobs in anderen Orten in  Frankreich übernehmen und Fessenheim verlassen würden. „Je länger die Stilllegung auf sich warten lässt, umso weniger qualifiziertes Personal ist vor Ort“, so Rose. Betont wurde in der Diskussion, dass ein GAU, ein größtmöglicher atomarer Unfall, von keiner Versicherung gedeckt wird. Die Kosten wären so immens, dass sie von keinem Versicherer getragen werden könnten.  Das gesundheitliche und finanzielle Risiko eines Reaktorunfalls trägt also die Bevölkerung in Südbaden, dem Elsass und der Schweiz. Denn die Fluchtwege wären wohl verstopft, eine Flucht vor der Strahlung nicht möglich. Die ärztliche Versorgung vor Ort käme zum Erliegen. „Mein Haus, das ich noch nicht abbezahlt habe, wäre mit einem Schlag nichts mehr Wert. Denn im Umkreis von einigen hundert Kilometern um das AKW wird doch jahrzehntelang niemand mehr wohnen können“, so ein Teilnehmer.

Artikel: H. Hauke

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