SPD Emmendingen

Eva Stegen gegen Atomkraft

Veröffentlicht am 07.04.2011 in Ortsverein

Foto: Klaus Fehrenbach

Vor einer Woche wurde die Zeit in Baden-Württemberg umgestellt. Uns allen herzlichen Glückwunsch dazu! Der dickste Klotz ist aus dem Weg geräumt! Das hätte ich schon gerne zweideutig verstanden… Die Störenfriede, die mit ihrer Landespolitik die Energiewende blockiert haben, die dafür gesorgt haben dass Baden-Württemberg bei der Windkraft die rote Laterne hält, stehen bald nicht mehr im Weg.

Das ist ein ganz wichtiger Schritt, aber wir dürfen jetzt nicht wieder in Lethargie verfallen und hoffen, dass es „die neuen da oben“ es schon richten werden. Die neuen da oben brauchen unsere Unterstützung, damit sie uns unterstützen können. Denn die Atomlobby hat jahrelang Geld und Macht angesammelt und sie werden nun mit Zähnen und Klauen kämpfen um ihre Pfründe zu sichern. Jetzt sind wir alle gefordert, mit all unseren Talenten, mit unserer gesamten bunten Vielfalt. Hallo Ihr, die Ihr neu zur Bewegung dazu gestoßen seid. Wir heißen Euch herzlich willkommen. Klinkt Euch ein in die aktiven Gruppen, unterstützt sie! Hallo Ihr, die Ihr als alte Hasen dabei seid: nehmt die Neuen warmherzig auf. Ihr werdet Menschen treffen, die genau die Fähigkeiten haben, die ihr in Eurer Gruppe längst gebraucht hättet. Integriert die Neuen aktiv. Hallo Organisatoren von Demos und Protest-Aktionen. Setzt Euch dafür ein, dass es Veranstaltungen sind, zu denen man gerne kommt. Seid bunt, humorvoll und kreativ, damit die Leute energiegeladen zurückkommen und ihren Freunden von schönen, kraft-gebenden Ereignissen erzählen können. Damit diese wiederum beim nächsten Mal dabei sein wollen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Warum betone ich das? Bereits am ersten Tag nach einsetzen der Katastrophe von Fukushima rief das drohende Wahldebakel der Atomfetischisten die Heuchler und Moralaposteln auf den Plan. Jetzt müsse man aber „innehalten“. Da wurde um die Wette Betroffenheit zur Schau gestellt. Denen war Himmelangst, dass ihnen die geballte Wut der Anti-Atom-Bewegung ins Gesicht schlägt, weil uns seit Jahren klar ist, dass Fukushima jederzeit und überall passieren kann. Es braucht für einen station-blackout nicht zwangsläufig einen Tsunami. Ein Terrorangriff tät’s auch. Und das wissen sie längst: die, die unser aller Leben genau so aufs Spiel setzen wie Tepco das Leben der Japaner. Natürlich ist es zum Heulen, mit ansehen zu müssen, wie Arbeiter in die Hölle geschickt werden. Es ist zum Heulen, zu wissen, dass nicht alle Menschen aus dem verstrahlten Gebiet evakuiert werden: Schwangere, Kranke, Kinder, sie alle haben Pech, wenn sie auf der falschen Seite des Evakuierungsradius wohnen. Wir möchten mitheulen, wenn junge Familien, die gerade ihr neues Haus bezogen haben, dort wieder raus müssen, weil der Lebenstraum zum Albtraum wurde. Wir möchten mitheulen, mit den Landwirten, die jetzt erst begriffen haben, dass radioaktiver Fallout ihre Böden vergiftet, ihre Existenzgrundlage vernichtet. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir uns vorschreiben lassen, wie wir mit den widerstreitenden Gefühlen umzugehen haben. Sie sind nicht die besseren Menschen, bloß weil sie reihenweise eine Mappumorphose durchlaufen und mit gebuckelten Schultern und Ergriffenheits-Flüsterton in die Mikrophone hauchen. Die Mappusmorphose führt zu wunderlichen Dingen. Alle sind auf einmal atomkritischer, als wir es je waren. Schon irre, welche Rechtsaußen uns jetzt links überholen. Selbst der ehemalige EnBW-Chef – so las ich in einer online-Zeitung – war immer schon auf atomkritisch. Da muss mir jahrelang irgendwas entgangen sein. Wer krampfhaft an seinem Posten klebt, dem entgleisen die kunstvoll zur Betroffenheit arrangierten Gesichtzüge zur Fratze. Und der verdient, dass wir uns darüber ausschütten vor Lachen. Für die Physikerin, Frau Dr. Merkel, waren übrigens die deutschen AKW an den Tagen 1 und 2 nach Fukushima-Start noch sicher: „Nach Maßgabe dessen was wir wissen, sind die Deutschen Kernkraftwerke sicher.“ „ … dessen was wir wissen …“ was heißt das? Wussten die das nicht? Wer nichts weiß muss alles glauben. Da protestieren wir Bürger doch in aller Form! ;-) Warum werden unsere Politiker nicht informiert?? Empörend! Auch Herr Mappus gibt zu Protokoll, erst nichts gewusst und es danach besser gelernt zu haben. Ich bin froh, dass wir diesen sündhaft teuren Ausbildungsplatz nicht weiter finanzieren müssen. Aber nach wenigen Tagen wussten die plötzlich ne ganze Menge: Sie wussten, dass man 8 Reaktoren einfach so vom Netz nehmen kann. Ohne Stromlücke und den ganzen Quatsch, den sie ständig erzählen. Woher wissen die das jetzt? Haben sie sich die Skripte unserer Vorträge geholt, die wir seit Jahren halten? Haben sie dort gelesen, dass Deutschland seit Jahren zunehmend größere Strommengen exportiert? Dass die Erneuerbaren Energien schneller wachsen, als prognostiziert – trotz aller Bremsmanöver. Haben sie gelesen, dass die Strommenge der 6 abgeschalteten AKW + Krümmel und Brunsbüttel (die seit fast 4 Jahren nur Strom ziehen aber keinen produzieren) exakt dem Exportüberschuss entspricht? Natürlich wissen sie ganz genau, dass wir jahrelang belogen wurden. Um das im Verborgenen zu halten wollten sie uns die Sauertopfmine verordnen. Was für ein Glück, dass es Rainer Brüderle gibt! Die Plappertasche aus der Pfalz. Er hat vor Vertretern von Wirtschaft und Stromkonzernen offen zugegeben, dass man mit dem Moratorium eine gezielte Wählertäuschung vorbereitet hat. Narrenmund tut Wahrheit Kund. Haben Sie gesehen, wie sich die Abgeordneten im Bundestag weggeschmissen haben vor lachen, als er versuchte sich rauszulavieren? Er sei im Protokoll falsch zitiert worden. Tja, Herr Brüderle, dann machen Sie doch endlich mal ein kulantes Angebot, was Sie denn anstelle dessen wirklich gesagt haben wollen! Bisher steht das noch aus. Und dann war da noch der Altkanzler Helmut Kohl. Haben Sie’s gelesen, wie er der Merkela noch im letzten Moment reingegrätscht ist? Ich fass dass mal zusammen, wie er das sieht, wenn man hundertausende Menschenleben riskiert um den Konzernen Geld und Macht zu sichern: „No risk no fun!“ Hier werden die Unterschiede zwischen „christlich“ und „christdemokratisch“ überdeutlich. Wenn solche Gestalten unser aller Leben riskieren, dann hätten die es gern, wenn wir „innehalten“. Sie sagen „Innehalten“ aber sie meinen „Stillhalten“, „Duldungsstarre“. Vom „Innehalten“ ist noch kein vernünftiges Energiekonzept auf den Weg gebracht worden. Wenn wir uns gegen eine lebensfeindliche Energie stemmen, dann weil wir unsere Lebensfreude bewahren wollen. Und das dürfen wir auch zeigen. Dass hätten sie wohl gerne, dass wir uns moralinsäure-triefend unser Mitstreiter vergrätzen und als einsame Rufer in der Wüste herumstehen. Aus Wut wird Mut. Aus Trauer wird Power! Seid kreativ. Macht mit. Auf allen Ebenen: Engagiert Euch in Anti-Atom-Gruppen. Investiert in Erneuerbare Energien. Stellt Euch eine stromproduzierende Heizung in den Keller. Packt Euch eine Solaranlage aufs Dach. Wenn Ihr kein eigenes Dach habt, gründet Energiegenossenschaften. Beteiligt Euch an Windkraftanlagen und Nahwärmenetzen. Und leitet Eure Stromgelder um. Gebt das Geld nicht in die Hände der Atomindustrie. Wenn Eure Stadtwerke Euren Qualitätsansprüchen nicht genügen hilft ein Strombezugs-Moratorium. Wie wäre es mit folgender Ansage? „Hallo Stadtwerke XY, ich bin dann mal weg! Ich komme wieder wenn Ihr - anständige Vorlieferanten habt – nicht die AKW-Betreiber EnBW. - anständige Anteilseigner ohne Kapitalverflechtung zur Atomlobby. - den Zubau der erneuerbaren Energien über den Strombezug fördert. Solange Ihr das schmutzige Geschäft mit der Atomwirtschaft mitmacht, dürft ihr mit meinem Geld nicht rechnen!“

Artikel: E. Stegen

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